Donnerstag, 8. August 2002

Die Meinung: Effiziente Weiterbildung von Führungskräften in Zeiten dynamischer Managementtrends

"The only competitive advantage the company of the future will have is its manager's ability to learn faster than their competitors.“ schrieb de Geuss 1998 im Havard Business Review. Dieser Satz gilt heute wohl mehr denn je. Das Motto lautet: Schneller entwickeln, schneller vermarkten, schneller agieren und schneller lernen. In Zeiten des Hyperwettbewerbs beschleunigen sich viele Aktivitäten und Prozesse. Es gilt, schneller zu lernen und zu professionalisieren als die Konkurrenz, um langfristig im Markt zu überleben (siehe Belz/Barthel 2002, S. 6). Weiterbildung ist ein geeignetes Mittel um sich als Führungskraft a jour zu halten und die neuesten Trends ‚mitzunehmen‘. Doch es ist Vorsicht geboten: Weiterbildung lässt sich nicht unbeschränkt verkürzen!

Die Rahmenbedingungen fördern neue Managementtrends
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich seit Jahren rasant. Technologische Entwicklungen, Harmonisierungen in und zwischen verschiedenen Wirtschafträumen, Politischer Wandel, verkürzte Produktlebenszyklen fordern Unternehmen immer stärker. In der Folge erscheinen vermeintliche Lösungen in Form sog. Managementtrends in grosser Zahl (siehe Abbildung).
Vor allem mit Beginn der 80er Jahre erscheinen eine Vielzahl neuer Trends. Eine Ende in der steigenden Zahl solcher Trends ist auch heute noch nicht abzusehen. Hier entsteht eine Menge neuen Wissens, mit dem sich Manager auseinandersetzen müssen. Lebenslanges Lernen hat sich gerade im Management als äusserst wichtig erwiesen, um Schritt zu halten.

Führungskräfte lernen anders
Lernen bezeichnet den Wandel im Verhalten aufgrund von Übung und Erfahrung. (siehe Staehle 1999, S. 207). Lernen setzt Aufnahme von Informationen voraus. Neben verschiedenen Medien haben sich für Führungskräfte vor allem Weiterbildungsformen, wie z.B. Konferenzen, Seminare, Workshops durchgesetzt.

Neben der Informationsqualität kommt es dabei auf die Informationsdarbietung und für die Weiterbildung im speziellen auf das didaktische Gesamtkonzept an. Sicherlich haben alle Weiterbildungsangebote einen bestimmten Nutzen. Es kommt jedoch vor allem darauf an, die verschiedenen Formen bewusst zu bewerten. Nicht jedes Ziel in der Weiterbildung lässt sich mit jedem x-beliebigen Seminar erreichen, das zufällig zum gewünschten Thema passt. Die Vorgabe aus dem Bereich Personalentwicklung, jeder Mitarbeiter sollte x Trainingstage im Jahr nachweisen, führt diese Erkenntnis ad absurdum. Effektive und effiziente Weiterbildung sollte gut überlegt sein und sich immer an den persönlichen Erfordernissen der Personen ausrichten. Führungskräfte lernen grundsätzlich anders (siehe Belz 2002, S. 2):

• Sie wählen die Kanäle für die Informationsaufnahme (Hören, Sehen, Lesen Handeln) bewusst aus.
• Sie verfügen über viele Gründe (neue Projekte, Beförderung, Gehaltssteigerung, Wissen), die sie motivieren.
• Sie lernen weniger auswendig als vielmehr über das strukturieren, d.h. das heisst das Aufstellen der logischen Zusammenhänge und der Einflüsse etc.
• Sie lernen über persönliche Erfahrung und der Verknüpfung neuen mit vorhandenen Wissen.

Das alles macht deutlich, dass effiziente und effektive Weiterentwicklung komplex und individuell ist. Instant-Lösungen, die man in ein- oder zwei Tagesveranstaltungen ‚mitnehmen‘ kann sind eher selten. Und: Echte Weiterbildung kostet Zeit, ob man es will oder nicht!

Unterschiedliche Weiterbildungsformen
Verschiedene Weiterbildungsangebote können für die Erreichung verschiedener Lernziele sinnvoll sein. Hier ein kurzer Überblick:

Konferenzen eignen sich dazu, in kurzer Zeit (zumeist 1-3 Tage) einen schnellen Überblick über ein bestimmtes Thema (zumeist einen aktuellen Trend) zu erhalten. Die Tiefe der Inhalte ist naturgemäss sehr begrenzt, da die einzelnen Beiträge nur sehr kurz sind. Dafür nehmen Teilnehmer einige gute Ideen mit. Man sollte keine fertigen Konzepte erwarten, die man im eigenen Unternehmen problemlos integrieren kann. Neben den Themen stehen auf die Kontakte, das „Networking“ ein grosse Rolle.

Kurzzeitseminare und Workshops von zwei bis drei Tagen decken ein spezifisches Thema relativ gut ab. Die Teilnehmer erhalten ein Basisrüstzeug für die eigene Umsetzung. Gerade bei strategischen Themen stellen die Teilnehmer jedoch nicht selten später fest, dass die vermittelten wohlstrukturierten Inhalte im eigenen praktischen Umfeld nicht ohne weitere Anpassungen anzuwenden sind. Auch hier sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen.

Langzeitseminare von 5 Tagen bis zu mehreren Wochen oder gar Monaten schreiben sich auf die Fahne, viele Themen umfassend zu vermitteln. Vor allem, wenn diese Seminare in Blöcke aufgeteilt sind lassen sich durch geeignete Coachingelemente, Projekt und Hausaufgaben intelligent integrieren. Der Lerneffekt ist ein ungemein grösserer und nachhaltiger, der Zeitaufwand aber auch entsprechen grösser.

Lernen und damit Weiterbildung lassen sich je nach Ziel nur bis zu einem bestimmten Grad verkürzen oder beschleunigen. Während der Bedarf nach schnellen Lernerfolgen wächst, steigt die Komplexität der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Vielfältige Querbeziehungen und neue Themen im Marketing und Management erfordern daher eine solide Weiterbildung. Rezessive wirtschaftliche Entwicklungen, wie wir sie derzeit beobachten, setzen Unternehmen unter Druck, bieten aber zugleich auch Chancen, sich im Wettbewerb neu zu positionieren. Operative Hektik bleibt immer oberflächlich – im Management wie in der Weiterbildung.

Fazit und Handlungsempfehlungen
Substantielle Weiterentwicklung von Führungskräften sollte bestimmte Ziele verfolgen und mit Methode angegangen werden. Sie konzentriert sich auf die Persönlichkeit und bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Echte Weiterentwicklung bietet ein faszinierendes Lernumfeld, fordert die Teilnehmer und fördert die Freude am Lernen. Hier einige Hinweise zur Planung Ihrer Weiterentwicklung:
• Beurteilen Sie ggfs. mit Unterstützung eines internen (PE/MD) oder externen Beraters den Bedarf für Ihre persönliche Weiterentwicklung. Dieser kann sich aus Ihren persönlichen Optimierungspotenzialen oder aus neuen Projekten und Aufgaben ergeben.
• Setzen Sie sich Ziele für einen bestimmten Zeitraum. Planen Sie bewusst ein, dass Weiterbildung Zeit kostet und dies Einfluss auf Ihr berufliches aber auch privates Umfeld haben kann.
• Wählen Sie den Anbieter der Seminare sorgfältig aus. Das Anbieterfeld ist in den letzten Jahren stark gewachsen und nicht jeder, der bunte Prospekte druckt und verschickt ist auch gut. Wichtige Fragen können sein. Gibt es die Veranstaltung schon länger? Wer sind die Referenten/Moderatoren? Welche Erfahrungen haben diese? Gibt es Referenzen von ehemaligen Teilnehmern? Gibt es ein fachliches und didaktisches Konzept? Kennt sich der Anbieter selbst im Thema aus oder kauft er sich nur Know-how ein?
• Nehmen Sie sich Zeit für den Transfer der Inhalte auf Ihr Unternehmen. Auch eine Konferenz oder ein Workshop sollte nachbereitet werden, um konkrete Initiativen daraus abzuleiten und maximal zu profitieren. Wählen Sie bewusst Akzente aus, die für Sie und für Ihr Unternehmen von Bedeutung sind.
• Seien Sie offen für andere Branchen, Unternehmen und Funktionen. Lösungen lassen sich nie eins-zu-eins in andere Unternehmen übertragen. Weder aus der eigenen noch aus anderen Branchen. Den Transfer müssen Sie als Teilnehmer immer selbst gestalten.
• Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Veranstaltung und multiplizieren Sie wissen.


Literatur:
Belz, Ch./Barthel, N.: Marketingimpulse – Wie gewinnen Führungskräfte ihre Anregungen für ein innovatives und wirksames Marketing, Fachbericht für Marketing 2002/1, Thexis, St.Gallen

Belz, Ch: Methodik am Seminar für strategisches Marketingmanagement, Skript für Seminarteilnehmer, 2002.

Staehle, W: Management, 8. Aufl., München Vahlen 1999.

Link:
Unsere Weiterbildungsangebote für Erfolge in Marketing, Kommunikation und Beschaffung finden Sie unter www.imh.unisg.ch/weiterbildung